Programm

Man muss einzig den Fortschritt der Kunst zum Ziele haben!

Christoph Willibald Gluck (1714 -1787)

Das Programm der Internationalen Gluck-Festspiele 2019 nimmt den Komponisten beim Wort. Womit er sich auch beschäftigte, wo immer er sich aufhielt, ob in Mailand, Prag, Wien, London, Rom, Paris – stets hat er, wie Zeitzeugen und Biografen berichten, Perfektion eingefordert, Visionen entwickelt, sich für das Neue eingesetzt – auf dem Weg in eine musikalische Epoche, die wir heute Klassik nennen, die aber durch Künstler wie Gluck erst vorbereitet werden musste. Die Festspiele 2019 wollen Glucks schöpferische Fantasie, seinen Erfindungsreichtum, seine Sensibilität und sein feuriges Temperament neu erlebbar machen…

Karina Gauvin

Historische Juwelen

Wenn Karina Gauvin und Max Emanuel Cencic gemeinsam mit dem Orchester ARMONIA ATENEA am Eröffnungsabend GROSSE GEFÜHLE, GLÜCK UND VERHÄNGNIS vor uns ausbreiten, wenn die Altistin Sonia Prina zwei Tage später mit dem Mailänder Ensemble laBarocca HEROES IN LOVE besingt, haben wir außergewöhnliche Erlebnisse klanglicher Schönheit zu erwarten. Konzerte, die zum Kennenlernen und Wiedererkennen der Farben und Facetten gluckscher Musik einladen, im festlichen Rahmen der Nürnberger Staatsoper und des neobarocken Fürther Stadttheaters. Und wie um den Kreis zu schließen erklingt das Eröffnungsprogramm zum Ende der Festspiele ein zweites Mal – im prächtigen Ambiente des Markgräflichen Opernhauses und auf Einladung des Festspiel-Kooperationspartners Musica Bayreuth.

Händelfestspielorchester

Inmitten des Festspielkalenders erstrahlt in eben diesem Opernhaus der Glanz einer echten Rarität: die deutsche Erstaufführung einer Gluck-Oper aus dem Jahr 1756, die exemplarisch alle Qualitäten vereint, die der Komponist meisterhaft beherrschte und zu überhöhen verstand. Kolportagehafte Macht- und Ränkespiele, angetrieben von herzzerreißenden Leidenschaften – wie in Dampfkesseln aufgestaut entladen sich die Emotionen in ebenso zarten wie aufwühlenden, ja stürmischen Arien. Die Besetzung der sechs Protagonisten vereint die denkbar schönsten Stimmen, und mit dem Händelfestspielorchester Halle unter Michael Hofstetter musiziert ein renommiertes, auf Originalklang spezialisiertes Ensemble. ANTIGONO erlebte nach seiner vielbeachteten Uraufführung in Rom noch wenige Aufführungen in Italien und geriet danach fast ganz in Vergessenheit. Jetzt kann man diese Oper in konzertanter Form, auf der Grundlage einer 2007 neu edierten kritischen Ausgabe, im Originalklang hören. Eine einmalige Chance!

Leandro Marziotte

Wenn Stars wie Philippe Jaroussky, Max Emanuel Cencic oder Daniel Hope (VON GLUCK ZU MOZART) die Musik Glucks, seiner Epoche, seiner Vorläufer und unmittelbaren Nachfolger anstimmen, dann dürften die Festspiele 2019 ihre intensivsten Momente erreichen – doch auch in der Geschichte von der NACHTIGALL DES ZAREN und im HARMONIE-Nachmittag des Kammermusikvereins Philharmonie Nürnberg stecken überraschende, anrührende und bezaubernde Original-Klänge. Jeder einzelne dieser Abende verspricht inspirierte Vergegenwärtigung des historischen Ideals. Eine unverwechselbare Vergegenwärtigung wird schließlich in der Nähe von Erasbach vorbereitet. Wie sich historische Juwelen in der Landschaft erleben lassen, der ihr Schöpfer entstammt, erfährt und erwandert man bei der Landpartie der Berchinger Gluck-Freunde mit OMBRA DELL‘AMORE…!

Daniel Hope

Die Werkstatt

Die Tafelhalle Nürnberg ist grundsätzlich das Theater der Stadt Nürnberg für die Freie Szene. Spielraum für E- und U-Musik, Jazz, Tanzprojekte, Schauspiel-Inszenierungen, Literatur, Performances, Figurentheater… und eine Reihe von Festivals. Jetzt bietet sie erstmals im Rahmen einer Kooperation von Tafelhalle im KunstKulturQuartier und den Internationalen Gluck-Festspielen Raum für einen Schwerpunkt des Festspielprogramms: wie in einem Kreativ-Atelier bearbeiten Künstlerinnen und Künstler Stoffe und Stücke, Motive und Assoziationen zum Werk und zur Person des Meisters aus der Oberpfalz. Dabei entstehen überraschende Perspektiven zu den Schöpfungen Glucks – ob literarisch wie bei E.T.A. Hoffmanns Erzählung RITTER GLUCK, in der Umkehr des Erlebnisstandpunkts bei EURYDIKE & ORPHEUS oder musikalisch in den Neuarrangements gluckscher Werke für Swing und Jazz (GLUCK GOES BIGBAND) oder Glasharmonika und Vibraphon (GLUCKVibration!)…

Max Emanuel Cencic

Das Fest der sieben Counter

Ohne die hohen Männerstimmen, die zur Barockzeit als Vorgänger späterer Heldentenöre Maßstäbe für Kämpfer- und Siegergestalten auf der Opernbühne setzten, sind auch viele Opern von Christoph Willibald Gluck nicht vorstellbar. Während der Festspiele sind neben Philippe Jaroussky und Max Emanuel Cencic auch Yosemeh Adjej, Leandro Marziotte, Terry Wey, der hochbegabte junge Venezolaner Samuel Marino und vor allem Valer Sabadus zu erleben – der anlässlich eines öffentlichen Symposiums der Gluck-Forschungsstelle Salzburg Teilnehmer eines offenen Round-Table-Gesprächs zum Thema DIE ANDERE STIMME sein – und Einblick in seinen Werdegang geben wird!

Valer Sabadus

Jugend und Gluck

Junge Musiker und Theaterleute, junges Publikum und Gluck – geht das? Und wie! Die Neue Nürnberger Ratsmusik weist einen erzählerischen Weg für Kinder zur Geschichte von Orpheus und Eurydike – IM REICH DER SCHATTEN. Das Theater Pfütze fragt mit Gluck und neuen Klängen (GESUCHT: IPHIGENIE) nach den Gründen für das Verschwinden eines jungen Mädchens… Die jungen Fürther Streichhölzer streuen dem alten Meister in einem Film-Musik-Konzert im Grünen musikalisch Rosen… Und beim Berchinger Geburtstagsfest zum Dreihundertfünften tanzen, singen und spielen die Jungen mit den Alten um die Wette…

Fukiko Takase

Ein Wagnis

Einen völlig neuen Zugang zu Gluck eröffnen die Festspiele mit einem Tanzprojekt im Rahmen von St. Katharina Open Air – auch dies in Kooperation mit dem KunstkulturQuartier! Der Mythos von Don Juan war zu Lebzeiten Glucks schon seit über hundert Jahren ein literarischer Renner. Gemeinsam mit dem kongenialen Choreografen Gasparo Angiolini hat er ihn zum ersten „Handlungsballett“ der Tanzgeschichte umgeformt – ein Vierteljahrhundert bevor Mozart seinen DON GIOVANNI zur Uraufführung brachte. Der Herzensbrecher, skrupellose Spieler und morallose Provokateur wird, in der heutigen Lesart zweier junger Musiker und einer Choreografin, zum Prototypen des Genussmenschen unserer Tage, der keine Verbindlichkeiten mehr respektiert um sich radikal ausleben zu können. Eine Club-Party in der Kirchenruine. Die Musik changiert zwischen Gluck, Mozart und Techno. Ein Spiel mit Vergangenheit und Gegenwart – an der Grenze dessen, was wir uns üblicherweise unter Rezeption des historischen Erbes vorstellen, und gerade deshalb fortschrittlich im Sinne Glucks: DON JUAN TECHNO CLUB!

Herzlich willkommen!

Einladender geht es nicht: GEBURTSTAGSFEST in Berching, OPEN AIR in Fürth, Schlossgarten-Konzert mit dem Ensemble Philharmenka (GLUCKLICHE REISE) in Erlangen, informative Vorträge beim Symposium in der Tafelhalle – das sind die Schnupper-Angebote zum Nulltarif!

Philharmenka

Gut dreißig Veranstaltungen an sieben Orten auf zwölf Spielstätten in zweieinhalb Wochen, Ensembles aus sechs Nationen, über dreihundert Mitwirkende – das sind die Internationalen Gluck-Festspiele 2019!

Festspielkalender kompakt hier